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Verdammt schlau.
Aber du brauchst mich noch.

Editorial-Collage: Esther mit skeptischem Blick neben einem korrigierten Wegpfeil. Verdammt schlau. Aber du brauchst mich noch.

Ich arbeite mit KI und denke regelmäßig: Wahnsinn. Was du alles kannst. Wie schnell das geht. Und was ich plötzlich mit deiner Hilfe hinbekomme.

Kurz überlege ich, ob ich überhaupt noch gebraucht werde.

Dann kommt die nächste Antwort.

Ah. Ja. Doch.

Gott sei Dank. Meine Daseinsberechtigung wurde soeben verlängert. :)

Denn zwischen „Das sieht verdammt überzeugend aus“ und „Das stimmt tatsächlich“ kann erstaunlich viel Platz liegen. Manchmal passt eine komplette Parallelrealität dazwischen. Hübsch eingerichtet, sauber gegliedert und mit einem selbstbewussten Fazit versehen.

Du bist dir aber sehr sicher für jemanden, der sich das gerade ausgedacht hat.

Diesen Satz denke ich häufiger.

Und trotzdem: Ich bin begeistert. Ich tüftle, probiere aus, entwickle weiter. Mit KI entstehen Dinge, die ich alleine so nicht oder nur mit deutlich mehr Aufwand hinbekommen hätte. Aus einer Idee wird etwas, das ich anschauen, testen und verbessern kann. Das macht mir unglaublich viel Spaß.

Bis ich feststelle: Wir sind gerade mit beeindruckender Geschwindigkeit in die falsche Richtung unterwegs.

Die KI hat schon mal Gas gegeben. Das Ziel klären wir offenbar während der Fahrt.

An dieser Stelle komme ich wieder ins Spiel.

Was wollten wir eigentlich erreichen? Was fehlt noch? Passt das zu den Menschen, die damit arbeiten sollen? Funktioniert es auch außerhalb dieser ausgesprochen optimistischen Unterhaltung?

Bei Bildern hilft mir meine Erfahrung aus der Fotografie. Ich sehe, wenn Licht, Perspektive oder Bildwirkung nicht zusammenpassen. Ein Bild kann auf den ersten Blick großartig aussehen und beim zweiten Blick Fragen aufwerfen. Zum Beispiel, wo genau dieses Tischbein eigentlich hinführt.

Bei Abläufen ist es ähnlich. Eine Lösung kann ordentlich aussehen und trotzdem an dem scheitern, was Menschen im Alltag tatsächlich tun.

Die Realität hat leider die Angewohnheit, sich nicht vollständig ans Briefing zu halten.

Ich brauche also weiterhin meinen eigenen Kopf. Für die Richtung, fürs Klarstellen, fürs Nachfragen. Und gelegentlich für ein sehr deutliches: „Nein. Das hast du dir jetzt ausgedacht.“

Nur: Merke ich es überhaupt jedes Mal?

Bei Themen, in denen ich mich auskenne, fällt mir das Hinterfragen leichter. Schwieriger wird es dort, wo die Antwort einfach sehr gut klingt – und mir die Erfahrung fehlt, um den Fehler zu erkennen.

Genau da wird es für mich interessant. Und ein bisschen ungemütlich.

Denn meine Freude darüber, noch gebraucht zu werden, ist natürlich kein Qualitätssiegel. Nur weil ich einmal einen Fehler entdeckt habe, bin ich nicht automatisch die unfehlbare Kontrollinstanz. Auch ich lasse mich von einer guten Formulierung beeindrucken. Besonders dann, wenn sie bestätigt, was ich ohnehin gerne hören wollte.

Wir sind also ein durchaus unterhaltsames Team: Die KI liefert mit großer Überzeugung. Ich prüfe mit menschlicher Fehlbarkeit.

Was soll da schon schiefgehen?

Für mich heißt das: weiter ausprobieren. Begeistert sein. Aber die Begeisterung gelegentlich kurz zur Seite setzen und genauer hinschauen. Nachfragen, testen, abgleichen. Und eine Antwort auch dann anzweifeln, wenn sie wunderschön formuliert ist.

Dieses „Gott sei Dank“ ist übrigens nur zur Hälfte ein Witz.

Natürlich freue ich mich, wenn ich merke: Mein Blick, meine Erfahrung und mein Urteil werden noch gebraucht. Und natürlich frage ich mich manchmal, wie lange dieses „noch“ eigentlich gilt. Ein ausgesprochen kleines Wort für eine ziemlich große Frage.

Ich habe darauf keine Antwort. Die KI hätte vermutlich eine. Sogar fünf, wenn ich frage. Das beruhigt mich jetzt nur bedingt.

Aber es kommt, wie es kommt. Ich will ausprobieren, verstehen und mitgestalten. Dabei darf ich begeistert sein und mir trotzdem Gedanken machen, was das alles mit meiner Arbeit macht.

Bis dahin tüftle ich weiter. Und wenn die KI wieder mit voller Überzeugung in die falsche Richtung rennt, denke ich:

Na bitte. Heute werde ich offenbar noch gebraucht.

So oder so. Ich lieb’s!

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